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Willkommen zu diesem speziellen Bonus-Bereich! Wie im Buch beschrieben, fungiert unser Retikuläres Aktivierungssystem (RAS) als „Tor zur Welt“. Die klassischen Übungen zu Positivität, Fokus und Manifestation setzen voraus, dass dieses System regulär arbeitet und das psychische Fundament stabil ist. Doch bei besonderen neurologischen Dispositionen oder schweren psychischen Belastungen gelten andere Regeln.
Wichtiger Vorab-Hinweis:
Dieser Bonus-Bereich und das Buch ersetzen niemals eine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei Diagnosen wie ADHS, Autismus, psychotischen Störungen oder Persönlichkeitsstörungen ist eine professionelle psychiatrische oder psychotherapeutische Begleitung unerlässlich, um die Herausforderungen sicher und nachhaltig zu bewältigen. Die folgenden Impulse dienen lediglich als unterstützende Ergänzung für den Alltag.
1. Deep Dive: Ein anderer Filter und ein instabiler Rumpf
Wenn wir das Bild unseres Lebensschiffs betrachten, stoßen wir bei den genannten Diagnosen auf zwei besondere Phänomene: Ein abweichend arbeitendes Filtersystem auf der Brücke und eine Instabilität tief unten im Schiff.
ADHS und Autismus: Der Pförtner filtert anders
Bei ADHS ist das RAS oft unteraktiv. Es sendet nicht genug Wach-Signale, weshalb das Gehirn nach starken Reizen sucht, um nicht „einzuschlafen“. Leise, positive Momente kommen gegen das Rauschen oft nicht an. Bei Autismus ist das RAS hingegen oft hyperaktiv. Es lässt zu viele Details ungefiltert durch (Reizüberflutung). Die Welt ist oft zu laut und zu hell, was das System so sehr in den „Überlebensmodus“ zwingt, dass für bewusste Positivitäts-Praktiken schlicht die Energie fehlt.
Psychose und Persönlichkeitsstörungen: Der instabile Rumpf
Bei psychotischen Episoden verliert der Pförtner die Fähigkeit zur Wichtigkeitsprüfung (Salienz) – irrelevante Reize wirken plötzlich bedrohlich und bedeutungsschwer. Bei Persönlichkeitsstörungen sind oft die tiefsten emotionalen Strukturen des Selbstbildes und der Beziehungsfähigkeit stark erschüttert. Hier brauchen wir ein neues Bild: In diesen Zuständen geht es nicht nur um den Kompass auf der Brücke. Das Schiff selbst hat einen instabilen Rumpf. Es schwankt heftig, droht Wasser zu ziehen oder bei der kleinsten Welle zu kentern. In einer solchen Phase ist es völlig sinnlos – und sogar gefährlich –, grosse Segel setzen zu wollen (z.B. durch Manifestation oder komplexe Zukunftsplanung). Das einzige Ziel in diesem Moment ist es, den Rumpf konstant zu stabilisieren.
2. Dein Praxis-Fokus: Stabilisierung statt Optimierung
Wenn dein RAS anders arbeitet oder der Rumpf deines Bootes instabil ist, greifen klassische „Positivitäts-Tipps“ ins Leere. Deine Praxis erfordert eine sanftere, körperorientierte Herangehensweise. Der Fokus liegt ganz auf den GEMS-Säulen
Achtsamkeit (Erdung) und Selbstmitgefühl
Folgende vier Anker helfen dir, den Rumpf zu stabilisieren:
A. Radikales Selbstmitgefühl (Der weiche Anker)
Wenn das System überlastet ist, meldet sich oft ein harter innerer Kritiker. Die wichtigste Haltung ist jetzt das Selbstmitgefühl (Self-Compassion). Wenn du im Nebel (ADHS), in der Reizüberflutung (Autismus) oder in tiefer Instabilität feststeckst, verurteile dich nicht dafür. Sage dir:
"Das ist gerade ein extrem schwieriger Moment für mein Nervensystem. Es ist eine neurobiologische oder psychische Reaktion, kein Charakterfehler. Ich darf jetzt schonend mit mir umgehen."
B. Erdungsübungen (Das Schiff im Hafen vertäuen)
Wenn der Verstand (der Sturm auf der Brücke) zu laut wird, musst du die Aufmerksamkeit in den Körper bringen, um den Rumpf zu stabilisieren.
Nutze die 5-4-3-2-1-Methode: Benenne 5 Dinge, die du siehst, 4, die du fühlst, 3, die du hörst, 2, die du riechst, und 1, die du schmeckst. Das zwingt dein Gehirn sanft ins sichere Hier und Jetzt zurück.
C. Die Eigenraumübung (Den Rumpf abdichten)
Wie in Kapitel 2 beschrieben, hilft dir der bewusste Aufbau deines Eigenraums, den Kontakt zu deinen Grenzen wiederherzustellen. Wenn alles um dich herum (oder in dir drinnen) chaotisch ist, spüre bewusst die physische Grenze deines Körpers. Stell dir eine unsichtbare Hülle vor, die dich umgibt und schützt. Diese Übung aktiviert den Inselcortex im Gehirn und signalisiert deinem System:
"Hier drinnen bin ich sicher. Nicht alles von aussen muss in mein Schiff eindringen."
D. Das innere Kind nähren (Die Mannschaft beruhigen)
Besonders bei Instabilitäten (wie Persönlichkeitsstörungen) ist das innere Kind unter Deck oft in panischer Angst. Versuche nicht, mit Argumenten gegen die Angst anzukämpfen. Setze dich stattdessen (in Gedanken) neben das verletzte, laute Mannschaftsmitglied. Gib ihm, was es jetzt am dringendsten braucht: Sicherheit und das Gefühl, nicht allein zu sein. Ein inneres "Ich bin da. Ich pass auf dich auf" stabilisiert das Boot von innen heraus viel stärker als jeder Versuch, krampfhaft „positiv“ zu denken.